Samstag, 13. Juli 2013

Einmal um den großen Teich...

… zumindest im weitesten Sinne: Der „große Teich“ ist der 2. größte Binnensee Lake Victoria und drum herum bin ich auch eher großzügig gereist.
Aber ja, die letzten vier Wochen bin ich durch Tanzania, Kenya und den Nord-Osten Ugandas gereist!

Ergeben hat sich das alles eher spontan: Meine Cousine Nora hat auf Zanzibar einen Swahilii Sprachkurs gemacht, wollte sowieso ein paar Leute in Tanzania und Kenya besuchen und hat mich gefragt ob ich sie nicht begleiten will. Da ich gerade „in der Nähe“ war und mein Visum sowieso bald abgelaufen wäre, hab ich mich kurzerhand in den Flieger gesetzt und bin nach Dar es Salaam geflogen…

Volleyballspiel auf der Flugbahn
Mein Flieger ist etwas umständlich geflogen (die Direktflüge waren alle teurer – und ich bin ja geborener Schwabe ;-) ), somit hatte ich fünf Stunden Aufenthalt in Kigali, Rwanda und dann noch mal einen kleinen Zwischenstopp am Kilimanjaro. Hier habe ich mal wieder etwas erlebt, das nur in Afrika möglich ist: Als wir wieder auf die Startbahn gerollt sind, bemerkte ich direkt neben der Fahrbahn ein Volleyballfeld… und es wurde in diesem Moment auch tatsächlich genutzt!
In Dar es Salaam selber hatte ich zuvor mein Hostel angefragt, ob mich jemand vom Flughafen abholen könnte… aber es war natürlich keiner da (zu viel Verkehr, wie er mir später entschuldigend erklärte). Also tat ich etwas, dass in jedem Reiseführer als absolutes No-Go gilt, weil viiiiel zu gefährlich: Ich hab einfach irgendein Taxi genommen und bin sicher in meinem Hostel angekommen.
Am nächsten morgen habe ich dann die Fähre nach Zanzibar genommen. Und ein paar Stunden später saß ich mit Nora in einem netten Café und wir schmiedeten Pläne für das Wochenende…
So hatte ich ein paar wunderschöne Tage in Stone Town selber und dann noch an der Ostküste in Paje am Strand. Die Strände sind wirklich paradiesisch und ich habe die Zeit sehr genossen!! Und auch StoneTown ist wunderschön! Es hat mich ein bisschen an Kairo erinnert, ist auch kein Wunder, denn im Gegensatz zu Uganda, leben hier mehr Muslime als Christen und auch die Swahili-Kultur ist an der Küste viel ausgeprägter als im Inland – Wunderschön!!!
Einen Tag später als gewollt (Nora hatte eine kleine Magen-Darm-Infektion, die ich natürlich ein paar Tage später auch bekam…) sind wir dann zu zweit nach Dar es Salaam zurück geschifft und haben uns bei einem methodistischen Pastor, zu dem Nora schon zuvor Kontakt aufgenommen hatte, einquartiert. Er und seine Frau sind vor 20 Jahre aus dem Congo als Missionare nach Dar es Salaam gekommen um aus dem nichts eine Evangelisch-Methodistische Kirche aufzubauen. Sehr nette und sehr interessante Leute! Wir haben zwei Tage bei ihnen verbracht und natürlich auch mal die kleine Kirche besichtigt.

Sonnenblumenfelder in der Steppe
Dann ging es frühmorgens mit dem Bus auf nach Nairobi, Kenya! Wider aller Erwartungen hatten wir eine wunderschöne 17-stunden Fahrt. Die Landschaft sieht hier einfach komplett anders aus als die in Uganda, wo vor allem im Westen viel grüne Hügellandschaft ist. Hier sah es schon eher so aus, wie man sich Afrika so vorstellt: unendliche Weiten von Steppensavannen, hier und da eine Schirmakazie und man hätte sich nicht gewundert wäre ein Löwe am Straßenrand aufgetaucht (in unserem Fall haben wir nur einen Strauß gesehen). Dann hatten wir noch das  Glück den Kilimanjaro komplett frei zu sehen, ebenso den Mt. Meru. Schon beeindruckend, den Berg den man nur von Bildern kennt mal in echt zu sehn. Na ja… und dann sieht man auch Sache, die man so nicht erwartet hätte, wie z.B. riesige Sonnenblumenfelder mitten im Nichts!
Wir sind dann abends in Nairobi angekommen und haben eine Studienfreundin von Nora getroffen. Sie hat uns auch unsere Unterkunft bei Maggie organisiert, die auch Freiwilligen Programme leitet und unterstützt. Eine sehr interessante Frau. Wir hatten viele gute Gespräche!
Nairobi selber ist (wie Dar es Salaam) viel größer als Kampala! Es ist einfach eine richtige Großstadt. Wir haben uns ein paar Tage im Stadtzentrum rumgetrieben, waren im VillageMarket (große Vergnügungs-Shopping-Anlage)  und haben auch ein bisschen das Nachtleben ausgetestet. Und ich muss sagen, für das, dass alle immer vor Nairobi warnen und es so gefährlich ist, war es doch sehr entspannt… Es ist halt wie überall anders auch: Wenn man sich nicht dumm anstellt und die nicht so sicheren Teile der Stadt meidet, passiert in der Regel auch nichts.

Wollsocken und Fließ
Nach ein paar Tagen in Nairobi sind Nora und ich dann weiter in den Norden nach Maua, wo Nora sechs Jahre ihrer Kindheit verbracht hat und ihre Eltern als Ärzte im örtlichen Krankenhaus gearbeitet haben. Ich selber war da einmal mit meinen Eltern als ich noch sehr klein war – zu klein um mich an alles zu erinnern, aber doch groß genug um ein paar Sachen wieder zu erkennen. Da Maua sehr hoch liegt und wir auch noch zur „falschen“ Zeit gekommen sind, war es seeeeeeeehr kalt!!! Ich hab schon lang nicht mehr so gefroren und war froh mein Fließ und Omas Wollsocken dabei zu haben!! Der Südafrikanische Winter lässt grüßen…
In Maua haben wir bei Flora, der ehemaligen Haushälterin  von Nora, gewohnt. Flora hatte Krebs und musste während der Behandlung ihren Friseursalon schließen. Als wir ankamen hatte sie ihren Shop seit zwei Wochen wieder offen (die Behandlungen hatten angeschlagen und sie den Krebs überstanden), jedoch lief es noch nicht so gut. Ich hatte mir sowieso schon länger überlegt, ob ich mir die Haare flechten lassen soll und da sich hier eine gute Gelegenheit bot, ergriff ich diese – und oh wunder, nachdem sich ein Mzungu die Haare machen lässt, kamen plötzlich auch viele andere Kunden wieder ;-). Dafür hatte ich auch sehr gelitten, denn das befestigen und reinflechten von dem Kunsthaar ist sehr schmerzhaft und es hat über acht Stunden gedauert (auf 2 Tage verteilt)!! Aber ja – wer schön sein will muss leiden…
Wir haben dann natürlich auch da Krankenhaus besucht und konnten sogar in Noras altes Haus. Es war sehr schön zu sehen, wie sie begrüßt und willkommen geheißen wurde und das die Arbeit ihrer Eltern immer noch präsent ist.
Dann hatten wir noch ein interessantes Abendessen bei einer befreundeten Familie von Flora. Diese Familie gehört zu den Miraa- Bauern in Maua. Miraa ist etwas Ähnliches wie Kau-Tabak, keine wirklich gefährliche Droge, jedoch eine, die viele Probleme verursacht. Unter anderem ist sie der Grund für die viele Straßenkinder, die „zu alt“ sind für die Arbeit auf den Miraa Feldern, weil sie zu viel Essen und damit zu teuer sind. Ein anderes Problem ist wohl, dass die Leute, die vorher sehr arm waren auf einmal sehr viel Geld verdienen, und mit dem plötzlichen Reichtum nicht umgehen können… Man ist sich allerdings noch nicht völlig sicher warum und wie Miraa genau diese Probleme verursacht…
Nach ein paar Tagen, haben wir auch Maua wieder verlassen um eine Nacht in Nairobi zu verweilen und dann weiter nach Mombasa zu fahren. Eigentlich wollten wir mit dem Zug fahren, der auch ein Abenteuer für sich ist. Er fährt unter anderem durch Nationalparks und ist bekannt dafür auch mal liegen zu bleiben… somit kann eine Fahrt schon mal 24 Stunden dauern. Wenn ich mich richtig erinnere haben das sogar meine Großeltern gemacht, als sie Noras Familie besucht haben und sind natürlich auch liegen geblieben, sodass meine Tante sie mit dem Auto aufsammeln musste…
Na ja… leider wurde der Zug abgesagt, weil er mal wieder liegengeblieben ist… Also haben wir den Bus genommen und sind über Nacht (was man laut Reiseführer auch NIEMALS machen sollte…) nach Mombasa gefahren.

Fahrt in der Cola-Dose
In Mombasa haben wir bei Debbie, einer ehemaligen Schulfreundin von Nora, gewohnt, einer weißen Kenyanerin, die mittlerweile geheiratet hat und eine super-süße 2-jährige Tochter hat UND super schön wohnt – mit Pool und allem! Also richtiger Luxus Urlaub zum Schluss noch mal :-).
So haben wir kleinere Ausflüge gemacht u. a. in den Haller Park, einem Mini-Zoo, wo wir gerade rechtzeitig zur Giraffenfütterung gekommen sind. Dann haben Nora und ich noch ein bisschen die Altstadt um Fort Jesus herum erkundet. Es hat mich sehr an Stone Town auf Zanzibar erinnert, natürlich viel größer, aber auch hier konnte man die muslimische und die Swahili- Kultur wieder spüren. Hier bin auch das erste Mal in den Genuss gekommen Tuck-Tuck zu fahren. Das ist ein dreirädrige, blechüberdachte Fahrzeug, das Nora gerne als Coca-Cola-Dose bezeichnet, weil es sich bei einem Unfall genauso zusammendrücken lässt… ;-). Wie auch immer, diese Teile ersetzten mehr oder weniger die Bodas, die es hier nur sehr wenige gibt (wohingegen es die TuckTucks in Uganda nicht gibt…), das heißt also: sehr praktisch um von A nach B zu kommen.
Da Debbie sehr Nahe vom Strand wohnt, haben wir den am meinem letzten Tag noch besucht. Es war zwar nicht das typische, paradiesische Sonnenwetter, aber dennoch sehr schön. Nach einem sehr leckeren Abendessen in einem Restaurant auf einem Boot, haben sich dann Nora’s und meine Wege getrennt: Ich hatte Uganda als Zielort und sie ist nach ein paar weiteren Tagen bei Debbie wieder zurück nach Zanzibar…

Datenschutz
Jaja… das mit dem Datenschutz ist so eine Sache und hat mir eine paar ganz witzige Situationen beschert: Man muss beim Kauf seines Bus-Tickets immer die Handynummer angeben (als Telefonnummernersatz), na ja und diese Nummer taucht unter anderem auch wieder auf der Check-Liste der Passagiere wieder auf, d.h. JEDER Mitarbeiter der Busgesellschaft kann rein theoretisch deine Handynummer einsehen… Nur dass es hier nicht beim Theoretischen bleibt. Da weiße Frauen auch in Kenya als wunderschön und reich gelten, bekommt man dementsprechende Aufmerksamkeit von der Männerwelt… und so kam es dann dass nach einem netten Gespräch mit einem der Mitarbeiter er plötzlich meinte, ja er meldet sich dann bei mir, er hat ja meine Handynummer – da war ich erst mal noch etwas komplex und dachte er hat sich vielleicht eingebildet, dass ich ihm meine Nummer gegeben hätte. Kurze Zeit später sitze ich im Bus und bekomme auch prompt eine SMS…
Später auf einer Raststätte spricht mich ein anderer Mitarbeiter an und fragte, ob ich seine SMS nicht bekommen hätte – nachdem ich verneint hatte, fragte er überrascht, ob ich nicht auf Sitz 4 sitzen würde…
Wie auch immer, es war zum Glück nur meine kenyanische Nummer, die in Uganda wieder deaktiviert wurde…
Ich kam dann völlig übermüdet (da wieder über Nacht gefahren) in Nairobi an und kaufte mir gleich ein Ticket für denselben Abend nach Kampala, Uganda. Dann habe ich den Tag über bei Maggie geschlafen und mich abends auf den 12-stunden Weg Richtung Heimat gemacht…

Kulikayo – Welcome Back (Willkommen zu Hause)
Morgens in Kampala habe ich mir erst mal einen Kaffee gegönnt und mich dann ins Matatu-Taxi Richtung Entebbe gesetzt. Es hat sich tatsächlich angefühlt wie nach Hause kommen… und als ich dann das Tor zum BabiesHome öffnete und mich meine Kinder begrüßt haben, war ich auch zu Hause!! Und ich hab die kleinen Nervensägen nach 3 Wochen schon ziemlich vermisst!


Roadtrip

Drei Mädels + ein Auto + Uganda = viel Spaß und auch ein kleines bisschen Abendteuer! :-)
Mit dem Auto den Norden Ugandas zu bereisen war schon etwas länger geplant (Tanzania und Kenya kamen da so dazwischen)… und so war ich nur ein paar Tage zu Hause bevor es wieder los ging… Ich habe mich schon seit Wochen darauf gefreut, weil es für mich das erste Mal seit 9 Monaten wieder hieß: AUTO FAHREN!!! :-) Und in Uganda macht das gleich dreimal so viel Spaß, weil es da so was wie Verkehrsregeln nicht gibt… Der Stärkere hat Recht, das ist das einzige was man wissen muss und worauf man achten sollte…

Entebbe – Jinja – Mbale – Sipi
Zum Glück haben wir gleich am Anfang eine Tankstelle aufgesucht um noch mal unter die Motorhaube zu gucken und mussten feststellen dass nicht nur das Motoröl leer war, sondern auch der komplette Kühlergrill ausgetauscht werden sollte – das haben wir natürlich nicht gemacht, als Konsequenz mussten wir allerdings jeden morgen 2 Liter Wasser reinkippen… Außerdem ging unsere Musikanlage nicht, die über den Zigarettenanzünder funktionieren sollte, der leider einen Wackler drin hatte… Juhu! Na ja… alles andere hat gut geklappt und so konnten wir in Jinja ein kleines Mittagessen genießen und sind trotz katastrophalen Straßen (mehr Loch als Asphalt – und mit einem richtige Jeep hätte mir das auch richtig Spaß gemacht…) gut in Mbale angekommen. Wir haben sogar ein wunderschönes Hostel gefunden – mit Balkon (!) auf dem wir natürlich auch gleich mal eine Falsche Rotwein getrunken haben.
Da meine zwei Mitreisenden (Mara und Henrike, beide Voluntäre in Entebbe) die Sipi Falls noch nicht gesehen hatten, stand das als erstes auf unserer Liste.
Ich war dort ja schon im Februar mit meinen Eltern und hatte noch ein paar Kontakte, so konnten wir mit unserem damaligen Guide zwei der drei Wasserfälle angucken und – obwohl ich schon mal da war – war es wieder wunderschön uns sehr beeindruckend!
Nach zwei Nächten in Mbale ging es dann weiter nach Soroti.

Mbale – Kumi – Soroti
Obwohl es nach Soroti nur 100km sind haben wir unglaublich lange gebraucht, weil die Straßenverhältnisse wieder so unglaublich schlecht waren: Teilweise war der Asphaltstreifen nur so breit, dass vielleicht ein Boda drauf hätte fahren können…
In Kumi haben wir einen kurzen Stopp eingelegt und uns die Nyero Rock Paintings (Höhlenmalereien) anzugucken. Die Landschaft hier sah schon wieder ganz anders aus: Anstatt des sonst eher rötlichen Gesteins stachen riesige graue Felsbrocken aus der Landschaft!
Am späten Nachmittag haben wir dann Soroti erreicht, wo uns die Eltern einer Freundin aus Entebbe, die zufällig auch da waren, ein Zimmer in ihrem Guesthouse reserviert hatten, und nachdem wir Soroti etwas erkundet hatten (natürlich sofort den Markt gefunden hatten und Klamotten gekauft haben ;-) ) haben wir einen wunderschönen, sehr unterhaltsamen Abend mit dem Ehepaar verbracht. Soroti war auch deshalb für uns interessant, weil hier die beste Flugschule in ganz Ostafrika ist und sehr viele unserer Freunde in Entebbe Piloten sind… und auch der Vater unsere Freundin einer ist.
Nachdem wir dann ganz nebenher erwähnten, dass wir keine Musik abspielen können, hat der Vater sofort seinen Kontakt in Soroti angerufen und ihn auf 7Uhr am nächsten morgen bestellt um uns das Teil zu reparieren – und das hat er dann getan. Ab jetzt konnten wir also richtig Party in unserem Auto machen! ;-)

Soroti – Lira – Gulu
Bis Gulu hatten wir ca. 230km zu fahren und uns wurde gesagt, dass die Straßen sehr gut seien – und das waren sie auch! Kurz vor Lira ist uns etwas passiert, dass aus einem Film hätte sein können: Wir hatten einen Platten! Drei weiße Mädels standen also mitten im Nirgendwo an der Straße mit einem Platten Reifen! Dank meinem Vater weiß ich wie man Reifen wechselt… musste aber zum Glück mein Können nicht unter Beweis stellen, denn wir warteten keine 3 Minuten als ein Truck anhielt und zwei sehr nette, junge Herren sich ohne weiteres daran machten uns den Reifen zu wechseln und dafür weder Handynummern noch Geld wollten (ein weiterer Beweis, dass dieses Land einfach sehr freundlich und hilfsbereit sein kann – in Deutschland wäre jeder zu sehr mit sich selber beschäftigt, als anderen FREMDEN zu helfen…).
So haben wir dann in Lira eine Tankstelle angefahren (zur Freude aller Mitarbeiter dort…) um uns den kaputten Reifen reparieren zu lassen. Bei der Gelegenheit haben wir dann auch gleich erfahren, dass alle unsere Reifen nicht mehr wirklich fahrtauglich sind, worauf wir zumindest mal den einen Kaputten durch einen neuen Reifen ersetzten ließen und unser Ersatzreifen einen neuen Schlauch erhielt…
Nach drei Stunden herumsitzen waren wir froh endlich wieder Fahrt aufnehmen zu können… Und so setzte ich mich ans Steuer und bin aus lauter Enthusiasmus etwas schneller als erlaubt gefahren (was ich ja sonst nieeeeemals mache…) und prompt angehalten worden. Leider, leider ist es in Uganda egal ob du 5km/h oder 100km/h zu schnell fährst… du zahlst immer ca. 60Euro Strafe… (in meinem Fall waren es nur 10km/h) – zum anderen haben wir den einzigen nicht- korrupten Polizisten in Uganda getroffen, d.h. da war auch nichts mit bestechen (diese Methode wird einem übrigens von JEDEM Ugander empfohlen, das ist keine „Weißen – Einstellung“). Da die Herren meinen Führerschein als Sicherheit eingezogen hatten, sind Rike und ich zurück nach Lira gefahren um uns durch den Bürokraten- Dschungel zu kämpfen, während Mara zurückblieb – als Sicherheit für meinen Führerschein. Nachdem eine ziemlich genervte Bekki nach bezahlter Strafe wieder zurückkam, konnte es endlich weiter in Richtung Gulu gehen!
Auch dort hatten wir schon einen Kontakt: Dieses mal einen Ugander, der 17 Jahre in Deutschland gelebt hatte und einen sehr amüsanten hessischen Akzent hatte. Er hatte uns schon ein Zimmer reserviert und nach einem leckeren Abendessen sind wir alle drei ins Bett gefallen – Was für ein Tag!

Gulu – Kampala – Entebbe
Mit unserem privaten Reiseführer haben wir dann einen Tag lang Gulu erkundet und einen riesen Spaß gehabt, da sich unser hessisch- sprechender Ugander wohl auf Redewendungen spezialisiert hatte und für jede Gelegenheit eine passende hatte.
Wir alle waren gespannt auf Gulu, da hier nach dem Krieg viele Flüchtlings- und Rehabilitationslager für Kindersoldaten waren und Henrike darüber auch ihre Bachelor- Arbeit geschrieben hatte. Außerdem hört man immer so, dass der Norden etwas vernachlässigt wird, deshalb waren wir umso mehr überrascht als wir eine gut organisierte und große Stadt (viel größer als Entebbe) entdeckten – ohne die Masse an Straßenkindern, die wir erwartet hatten und wir sahen auch nur eine Schule für ehemalige Kindersoldaten und nicht eine an jeder Ecke!
Nach einer weiteren Nacht in Gulu machten wir uns früh am nächsten morgen auf um ca. 400km später in Kampala zu sein – leichter gesagt als getan. Ungefähr 100km vor Kampala hatten wir unseren zweiten Platten mitten im Nirgendwo! Jedoch kam auch dieses Mal gleich Hilfe und das Problem hatte sich innerhalb kurzer Zeit gelöst. Allerdings waren wir nicht mehr so abendteuerlustig sondern eher genervt, da sich unsere Bremsen auch nicht mehr so gesund anhörten… Da wir auch keine Lust hatten noch mal Stunden an einer Tankstelle zu verbringen, beschlossen wir ohne intakten Ersatzreifen das letzte Stück bis nach Kampala zu machen – und wir hatten Glück!
Als wir dann in Kampala bei einem Kaffee saßen, stellte sich heraus, dass das Entebbe-Basketball- Team, in dem auch viele unsere Freunde spielen, in ein paar Stunden ein Spiel in Kampala hatten, wo wir dann ganz spontan auch hinfuhren.
So kamen wir erst abends in Entebbe an – aber nichts mit ausruhen oder dergleichen – nein, wir mussten natürlich unseren kleinen Roadtrip und den Sieg unserer Basketballer feiern ;-)!



Das war’s allerdings auch mit den Abenteuern! Ich habe jetzt noch ein paar Wochen in Entebbe und genieße die Zeit mit meinen Kindern und meinen hier neugewonnen Freunden! Ich habe dieses Land mit all seinen Vor- und Nachteilen sehr ins Herz geschlossen und werde es definitiv vermissen, wenn ich wieder in Deutschland bin (schon allein wegen den Temperaturen!).
Gerade in meinem letzten Monat tut sich wieder einiges im BabiesHome: Die Schule macht sich sehr gut und auch sonst gab es einige Veränderungen im Tagesablauf und der Organisation der Kinder, die dem BabiesHome sehr gut tun! Außerdem kommen wieder neue Freiwillige, die in der Schule aushelfen sollen. So füllt sich das Guesthouse langsam wieder und wenn ich gehe werde ich vier Amerikanerinnen, zwei Spanierinnen und eine Deutsche zurücklassen!

Wirklich erschreckend wie schnell so ein Jahr doch vergeht – und ich bereue es keinen Augenblick diese Reise gemacht zu haben!

Danke an dieser Stelle noch mal an alle meiner Unterstützer!!! DANKE!

Freitag, 17. Mai 2013

Lebenszeichen


Es ist schon ein Weilchen her, dass ich meinen Blog aktualisiert habe, ich weiß. Tut mir leid, aber auch 8 Monate Uganda können die Grundfesten eines Charakters nicht ändern, die da sind: Faulheit – ganz nach dem Prinzip „Ach… das mache ich morgen“.
Na ja – ca. 60 „morgen“ später, bringe ich euch mal wieder auf den neusten Stand:

Die Arbeit im BabiesHome an sich läuft eigentlich gut. Sie bekommt langsam Alltags-Flair. Klar, wissen die Kinder immer, wie sie mich auf die Palme bringen können – vor allem da gerade wieder Ferien sind und somit alle 25 Kinder IMMER da sind… Das raubt einem dann schon den einen oder anderen Nerv. Kleine Abwechslungen sind deshalb immer willkommen…
Und so kam Ostern:
Zwei deutsche Mädels (von dem Unterstützerkreis, mit dem ich hier bin, also quasi meine Bosse ;-) ) und ich haben beschlossen den Ostersamstag einzuführen und mit den Kids Eier zu bemalen und Osterhasen aus Klopapierrollen zu basteln. Es war ein Super-Chaos… aber es hat auch Spaß gemacht – vor allem den Kindern!

Nach Ostern bekam das BabiesHome außerdem noch 3 Neuzugänge. Zwei Brüder (ca. 2 Jahre und 10 Monate) und ein Mädchen (ca. 3 Jahre). Die Jungs kommen nicht aus der Gegend hier und sprechen deshalb nicht nur kein Englisch, sondern auch kein Luganda, was die ganze Eingliederungssache etwas erschwert. Es ist aber dann doch echt erstaunlich, wie schnell er englisch lernt und spricht! Das Mädchen kann auch kein Englisch, dafür aber Luganda. Sie ist sowieso sehr aufgeweckt und nennt mich außerdem „Auntie Pepper“ (Tante Paprika/Pfeffer)…

Nebenher kamen und gingen dann noch einige andere kleine Abwechslungen, wie z.B. die Ausflüge mit Johannas Eltern (die zwei Wochen zu Besuch waren und Johanna dann Anfang April wieder mit nach Deutschland genommen haben). So haben wir uns auf den nahegelegenen Sse-Sse-Islands alle einen Sonnenbrand geholt und sind (ganz die Touristen) an den Äquator gefahren und haben Bilder gemacht :-).

Außerdem gab es wieder ein paar kleine bzw. große Streich-Aktionen.
Remmie ist im März nach Kampala gezogen und ihr ehemaliges Wohnhaus wurde zum neuen, großen Schulhaus erkoren. Der Plan unsere kleine Home-School etwas zu vergrößern und auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hat sich tatsächlich in die Tat umgesetzt (daran habe ich ehrlich gesagt bis kurz vor der Einweihung gezweifelt). Ganz im ugandischen Stil wurde der Großteil der Arbeit „last-minute“ verrichtet. So wurden zwar relativ rechtzeitig zwei neue Türen anstatt von Fenstern eingesetzt, dafür aber nur ein Raum gestrichen und ein paar Tage vorher noch die komplette Außenwand (Maike und Ich hatten dabei allerdings Hilfe von einer Schulklasse). Zur Einweihungsfeier am 4. Mai wurde das wichtigste fertig und so konnten die Gäste kommen. Leider sah das Wetter am Morgen nicht gut aus, deshalb blieb die gewünschte Zahl an Gästen aus… Trotzdem war es eine tolle Show! Die Kinder haben Tänze und Songs, Geschichten und sogar eine kleines Theaterstück vorbereitet und für ihren ersten großen Auftritt auch ziemlich gut abgeliefert. Ich war mal wieder zutiefst beeindruckt, wie viel die neu eingestellte Lehrerin (jetzt Direktorin der neuen Schule) aus den Kindern rausgeholt hat!!
Trotzdem ist nicht alles was glänzt aus Gold… Finanziell steht es mal wieder eher weniger gut. Seit Johanna weg ist, reicht die Miete eines Volontärs nicht einmal um das Guesthouse zu finanzieren. Und dass Kinder nicht billiger werden je älter sie sind, gehört auch hier zu den Fakten mit denen man klarkommen muss. Dazu kommt, dass die Amerikanin Sandy, die die Schulsache unterstützt, die Finanzierung desselben zugesagt hatte, aber dann ihre Spender abgesprungen sind… so reicht das Geld mal wieder hinten und vorne nicht! Eine kleiner Lichtblick sind die neuen Volontäre (amerikanische und deutsche), die wir im Juli und August erwarten. So kommt nicht nur praktische Hilfe, sondern auch finanzielle.

Mir persönlich geht es eigentlich immer noch gut hier. Eigentlich, weil ich seit 8 Monaten das erste Mal ein kleines Tief hatte. Zum einen wird die Arbeit langsam zur Routine und das „Alltags-Gefühl“ stellt sich ein – man arbeitet so von Wochenende zu Wochenende. Zum anderen war ich gesundheitlich nicht ganz fit: Ich hatte eine Erkältung (was an sich nicht so schlimm ist…) und sehr zu kämpfen mit meinen Händen, da ich ein ziemlich schlimmes Hautekzem habe. Das Ganze hatte zwar schon vor einem halben Jahr begonnen, aber nach dem Streichen der Schule (Farbe an den Händen, mit Paraffin gearbeitet) hatte es sich so sehr verschlechtert, dass ich eine Woche nicht arbeiten konnte.
Mittlerweile geht es aber wieder aufwärts: Erkältung weg, die Wunden an den Händen größtenteils verheilt – die einwöchige Arbeitspause hat mir auch ganz gut getan.
Vielleicht liegt es auch daran, dass die Regenzeit sich langsam dem Ende neigt und ich wieder genügend Vitamin D bekomme ;-). Oh je… wie das wohl wird, wenn ich wieder in Deutschland bin…?

Donnerstag, 14. März 2013

Der Besuch...


… der alten Herrschaften ;-)

Ja, meine Eltern waren zu Besuch.
Anfang Februar kamen sie für eine einwöchige Inspektion zu mir ins BabiesHome. Neben dem Leben im BabiesHome wurde natürlich auch das typische Touristen-Programm durchgezogen, wobei wir neben der Besichtigung Entebbes (Botanischer Garten, ReptileVillage, Strand-Café, Markt,…) auch den etwas weiteren Weg an die kenyanische Grenze zu den Sipi-Falls und Mount Elgon gemacht haben. Es war eine wunderschöne Trour! Die Sipi-Falls an sich sind schon sehr beeindruckend, aber auch die Landschaft ist faszinierend. Und da sich meine Eltern „wandern“ gewünscht haben, sind wir auch ziemlich viel gelaufen… so viel, dass wir am dritten Tag nicht ganz das gewünschte Ziel im Mt.Elgon- Vorgebirge erreichten – aber was erwarten die auch, wenn man am Vortag eine 6-stunden-Wanderung gemacht hat… da packt man die 7 Stunden am nächsten Tag nicht mehr ganz so locker ;-)
Na ja,… meine Eltern lieben (wie ich) Kaffee über alles und Mt.Elgon ist zufällig ein Kaffee-Gebiet… somit haben wir gleich zwei Kaffee-Touren gemacht. Die eine bei einer alten Frau mitten im Dorf (das ganze war so spontan, dass unser Führer erst noch rohe Kaffeebohnen kaufen musste ;-) ), was sehr beeindruckend war, weil tatsächlich alles von Hand gemacht wird: Kaffeebohnen schälen, überm Feuer rösten und anschließen zu Kaffeepulver stampfen. Wie das Ganze dann in „groß“ abläuft haben wir dann in Mbale (Stadt bei Mt.Elgon) in einer Kaffeefabrik gesehen. Doch trotz der topmodernen Maschinen (von Bühler aus Deutschland von vor geschätzten 100 Jahren ;-) ), durchläuft das Endprodukt noch mal die Hände afrikanischer Frauen, um auch dem letzten Fehler erhaben zu sein. Es war schon sehr beeindruckend und natürlich wurde auch gleich viiiiiel Kaffee eingekauft :-).
Am letzten Tag habe ich meine Eltern noch in die Chaos-Stadt Kampala entführt (um sicher zu gehen, dass sie am Ende auch wieder in ihren Flieger steigen ;-) ). Dort wurden dann noch kräftig Souvenirs geshoppt sowie Stoffe aus denen man sich dann bei einem lokalen Schneider das ein oder andere Kleidungsstück machen lassen kann.
Alles in allem waren es 10 erlebnisreiche Tage und es tat gut eine zeit lang ein Stück „Daheim“ zu haben und mal wieder zu wissen was so alles vor sich geht in der Familie und Umgebung. Es war auch schön, meinen Eltern meine Welt etwas näher zu bringen, denn das was man erlebt lässt sich auch nicht durch Skype hundertprozentig beschreiben und erklären.
Trotz allem ließ ich meine Eltern gerne wieder in den Flieger steigen und war froh, dass ich wieder nach Hause fahren konnte und nicht zurück in den kalten Schwarzwald fliegen musste ;-).

Anfang Februar bekamen wir neben meinen Eltern noch einen Besuch. Dieser wird allerdings etwas länger bleiben, denn die BabiesHome Familie hat Zuwachs bekommen: Zwei süße neue Babies (Zwillinge) kamen völlig unterernährt durch das Sozialamt zu uns. Seit dem wird nun alles getan um die zwei Kleinen wieder auf Vordermann zu bringen – und nach anfänglichen Schwierigkeiten (spucken alles Essen wieder aus etc.) machen sie sich wirklich gut!

Wer es außerdem noch nicht bemerkt hat – es ist Halbzeit! Ja, ein halbes Jahr ist tatsächlich schon rum! Mit dieser Tatsache war auch wieder eine weitere Ausreise nach Rwanda verbunden, da mein Visum mal wieder abgelaufen war…  Alles ging gut und Uganda hat mich für weitere 3 Monate wieder! :-) Als Zwischenfazit kann ich allerdings nur wiederholen: Mir geht es gut, ich bin gerne hier und freue mich auf das nächste halbe Jahr!

Mittwoch, 6. Februar 2013

Without music, life would be a mistake


Friedrich Nietzsche hatte schon recht: Ohne Musik wäre das Leben ein Fehler!
Das Highlight im Januar war mit Abstand der Kauf eines E-Pianos für das BabiesHome. Eine ehemalige Freiwillige hat Spenden gesammelt, hat es aber leider nicht mehr geschafft während ihres Aufenthaltes ein E-Piano zu kaufen. Also wurde mir diese ehrenvolle Aufgabe übertragen – und sie hätte niemand besseren dafür auswählen können ;-) .
Es gibt ein paar „richtige“ Musikshops in Kampala…allerdings hätte das Geld hier nur für ein kleines Keyboard gereicht. Zum Glück gibt es als Alternative noch unzählige „Secondhand“-Shops/ Ramsch-Läden an der Straße, die ich dann mit Hilfe eines ugandischen Freundes durchstöbert habe und doch tatsächlich im hintersten Winkel ein Casio-E-Piano in gutem Zustand gefunden habe. Im Laden gegenüber gab’s dann noch einen passenden Ständer. Lediglich ein Pedal hat noch gefehlt, welches meine Eltern freundlicher Weise bei ihrem Besuch mitbringen werden. Das schwierige war allerdings nicht, ein E-Piano zu kaufen – der Transport hat mir mehr Sorgen gemacht: Wie bekommt man ein E-Piano OHNE Auto die 35km von Kampala nach Entebbe und anschließend in das etwas abseits gelegene BabiesHome? Ganz einfach: E-Piano in den Taxi-Bus durchs Fenster gepackt und anschließen hat sich meine Begleitung mit dem guten Stück auf ein Boda (Motorad-Taxi) gesetzt und es ist tatsächlich heil im BabiesHome angekommen. Ich war im Himmel: Nach vier Monaten ohne Klavier tat es unendlich gut mal wieder Tasten unter den Fingern zu haben :-).
Die Konsequenz eines Pianos ist natürlich, dass die Kinder jetzt auch Unterricht haben wollen/sollen… Meine Premiere als Klavierlehrerin – bin mal gespannt wie ich mich so schlagen werde!

Eine weitere Neuigkeit ist, dass das BabiesHome eine neue Managerin hat: Remmies Schwester Salma ist in Zukunft die neue Chefin vor Ort, denn Remmie wird ab März mit ihrem Baby zu ihrem Mann nach Kampala ziehen und natürlich nach wie vor die Leiterin des BabiesHomes bleiben, sich allerdings anderen Bereichen (Adoptionen, Papierkram etc.) zuwenden. Salma ist Mitte 20, super lieb und sehr sympathisch. Sie kennt das BabiesHome von Anfang an und ist motiviert die ein- oder andere Sache zu verändern/verbessern. Sie ist jetzt auch unsere neue Ansprechperson, falls wir Probleme haben oder auch Missstände im BabiesHome feststellen. Johanna und ich sind sehr froh sie jetzt hier zu haben und sind auch glücklich über Remmies Entscheidung endlich ein bisschen Arbeit abzugeben, wobei wir andererseits auch gespannt sind, wie es wird, wenn sie ab März nicht mehr ständig vor Ort sein wird.

Seit Februar gehen auch wieder die Schulen los. Unsere drei ältesten Kinder gehen jetzt auf Internate. D.h. nur noch 2 Kinder gehen hier auf öffentliche Schulen. Auch unsere kleine Schule hat wieder begonnen, sogar mit Zuwachs: Ein weiteres BabiesHome- Kind kommt in die Schule, also werden wir in Zukunft 10 Schüler haben. Allerdings werden Johanna und ich nicht mehr unterrichten, denn wir haben auch eine zusätzliche, sehr erfahrene Lehrerin angestellt. Mit Hilfe dieser neuen Lehrerin will Remmie in den nächsten Monaten auch eine eigene kleine Schule für die Nachbarschaft aufmachen. Ich bin wirklich sehr gespannt was da noch alles auf uns zukommt!
Unterstützung bei der ganzen Schul-Sache und auch beim Lehrplan bekommen wir der Amerikanerin Sandy, die das BabiesHome nun schon seit 2 Jahren vor Ort unterstützt und auch in Entebbe wohnt. Natürlich läuft bei solchen Sachen nicht alles glatt, schon gar nicht wenn Ausländer mit den Ugandern hier „zusammenarbeiten“… Der Stundenplan wurde zwar mit Remmie abgesprochen nicht aber mit der Lehrerin. So kam es, dass bei dem Breefing sogenannte „Ideen“ vorgestellt wurden, die aber in Wirklichkeit ein voll ausgearbeitetes Konzept waren, welches keinen Platz für Änderungen zuließ. Zumindest vorerst. Der erste Monat war komplett ausgearbeitet– also kann man rein theoretisch nach diesem ersten Monat Änderungen vornehmen. Leider kam das nicht immer so rüber… und so war es wieder einmal die typische Weiße-zeigen-Schwarzen-wie-es-RICHTIG-geht-Vorstellung… und das ist sehr schade. Denn im Prinzip ist es eine sehr gute Idee, den ugandischen Lehrplan etwas aufzupuschen und auch westliche Elemente einzubauen, für den Fall eine Adoption… Na ja... letztendlich ist es die Lehrerin, die unterrichtet und wir haben sie auch noch mal bestärkt den Unterricht so zu gestalten – mit ihren Methoden –  wie sie es für richtig hält, inhaltlich jedoch dem Konzept zu folgen… Wir werden sehn…

Ich privat habe mal wieder meine Sportart gewechselt: Ich habe mein Rugby-Karriere aufgegeben und werde jetzt Basketball-Star ;-). In der Realität sieht das Ganze dann so aus:  einmal die Woche werfe ich ein paar Körbe zusammen mit Freunden von mir und manchmal ist auch ein kleines Spiel mitdrin :-D . Unter anderen ist auch einer dabei der einfach mal so, ganz locker an den Korb springt und den Ball direkt hineinbefördert (dunking)… da weiß man dann wieder wo man steht ;-). 

Mittwoch, 2. Januar 2013

Weihnachten und Silvester


Wie feiert man eigentlich Weihnachten in Uganda, so ganz ohne Schnee und Weihnachts-Kitsch…?
Zum einen bin ich dieses Jahr leider wieder nicht vom Kitsch verschont geblieben, da ich den großen Fehler gemacht hab in Kampala in ein relativ großes Kaufhaus zu gehen, wo es von Weihnachtsdeko und Weihnachtsliedern der übelsten Sorte nur so triefte. Und natürlich gab es auch noch einen waschechten Kaufhaus-Weihnachtsmann, der gelangweilt in der Gegend rum stand…
Zum anderen steh ich sowieso nicht so auf Schnee (um es mal milde auszudrücken ;-) )…

Aber nun zu Weihnachten selber:
Da hier erst am 25. gefeiert wird, hatte ich am 24. einen relativ normalen Arbeitstag vormittags und nachmittags ging es dann zum Privatstrand vom Segelclub in Entebbe (jaja… so was gibt’s hier – ich war auch ganz überrascht ;-) ), an dem das MalayakaHouse die Weihnachtsparty für ihre Kinder veranstaltet hat. Die BabiesHome Kinder waren auch eingeladen, konnten aber nicht kommen. Somit saß ich an Weihnachten am Strand mit Bier, Pizza, strahlendem Sonnenschein und superkitschiger Weihnachtsmusik im Hintergrund :-)! Es war super Stimmung, da die Kids sogar die Möglichkeit hatten ne kleine Spritztour auf einem Motorboot zu machen und es eine riiiiiiesige Hüpfburg gab!
Am Abend haben Johanna und ich es uns dann gemütlich gemacht mit Kerze und den Weihnachtsplätzchen von ihrer Mum (Danke!!!) und wunderschöne, zweisame Weihnachten gefeiert. Wobei es natürlich nicht bei „zweisam“ blieb, denn Dank Skype konnte man dann doch noch auf einen Klick nach Hause zu den Familien vorbeischauen…
Am 25. waren dann unsere Kinder bei einer Missionarsfamilie in Entebbe eingeladen, die eine große Party für verschiedene Kinder der Umgebung veranstaltet hat. Die Vorbereitung waren zwar ziemlich stressig (21 Kleinkinder zu waschen und anzuziehen ist wirklich kein allzu großer Spaß…), dafür war die Party umso beeindruckender. Zwei kleine Hüpfburgen plus ein Mini-Bällebad und ein Riesen-Trampolin. Eine Schaukel und diverse Klein-Fahrzeuge durften natürlich auch nicht fehlen. Außerdem gab es ein Weihnachtsfestessen, das es in sich hatte inklusive Kuchenbuffet. Dann wurde noch ein kleines Puppentheater aufgeführt und zum Schluss kam noch der Weihnachtsmann und brachte für alle Kinder Geschenke! Es war ein wunderschöner Tag und so war es kein Wunder das die Hälfte der Kinder auf der 10- minütigen Rückfahrt etwas einnickte – wobei - wenn es dann wirklich ans schlafen geht, sind sie natürlich wieder top-fit…
Ich habe mir dann am Abend noch erlaubt auszugehen und zu gucken, was die party-freudigen Ugander Heilig Abend so machen… und tatsächlich – ich hab noch nie so viele Menschen und Autos nachts auf den Straßen gesehen! Besonders am Strand und in den Bars und Clubs wimmelte es von Leuten. Und nicht nur Jugendliche – nein, nein… auch Familien mit ihren Kindern, die an Heilig Abend am Strand ums Feuer tanzen ;-)

Im Gegensatz zu Weihnachten war Silvester weniger spektakulär (es gab nur ein sehr mickriges Feuerwerk :-( ) aber trotzdem schön! Zusammen mit ein paar Freunden haben wir den letzten Abend im Jahr am Strand mit einem kleinen Feuer verbracht. Dank dem deutschen Einfluss gab es sogar Stockbrot – für die anwesenden Ugander zum ersten Mal ;-) . Aufgrund dem deutsch-ugandischen-Mix haben wir Silvester dann auch gleich zweimal gefeiert – einmal ugandische und einmal deutsche Zeit :-). Später ging’s  natürlich noch in einen Club um bis zum morgengrauen zu tanzen. Es war wunderschön bei den ersten Sonnenstrahlen auf einem Boda durch Entebbe nach Hause zu fahren: Hallo Jahr 2013 – mal sehn was du so für mich bereithältst… :-)

Freitag, 28. Dezember 2012

Visum-Urlaub Klappe die Erste


Da ich ja nicht mit einer großen Organisation hier bin sondern mehr oder weniger privat, habe ich nur ein Touristen Visum für 3 Monate bei meiner Einreise bekommen… und ja, diese 3 Monate waren jetzt tatsächlich schon um. Also mussten Johanna und ich wohl oder übel eine kurze (Aus-)Reise planen. Wobei das Wort „planen“ hier vollkommen fehl am Platz ist, da wir zwar schon Anfang November unseren „Urlaub“ zugesagt bekommen haben, es aber letztendlich doch eher spontan ablief, ganz nach ugandischer Art und nach dem Motto „Schaun ma’ mal“…

Los ging es am 7. Dezember, zeitgleich mit dem Ferienbeginn unserer Home-School, die jetzt erst mal bis Ende Januar zu ist. Das beste Land zum Ausreisen ist Rwanda – da man dort als Deutscher nichts für sein Visum zahlen muss ;-) Also ging es an jenem 7. Dezember – es war ein Freitag – früh morgens nach Kampala los, wo wir trotz Berufsverkehr noch unseren Bus nach Kigali (Hauptstadt von Rwanda) erwischt haben und für rund 13€ eine Strecke von ca. 500km in „nur“ 12 Stunden zurückgelegt haben (ohne Unfall und mit nur einer Stunde Aufenthalt an der Grenze).
Rwanda ist schon ein etwas seltsames Land. Es geht damit los, dass an der Grenze das Gepäck durchsucht wird (wenn man nach Uganda einreist interessiert es KEINEN was du einführst…) und zwar nicht nur nach irgendwelchen gefährlichen Sachen, sondern auch nach Plastiktüten, die seit einiger Zeit komplett aus Rwanda verbannt wurden. Wir haben trotzdem welche reingeschmuggelt, da Rwanda trotz allem noch in Afrika liegt und Regeln dementsprechend befolgt werden ;-) d.h. dass die Dame, die unsere Gepäck „durchsuchte“ ihren Job nicht sonderlich ernst nahm…
Kigali ist für eine Hauptstadt in Ost-Afrika auch eher unnormal – sehr sauber, gute Straßen, sicher (es steht überall Security rum). Die BodaBoda-Fahrer müssen Helme tragen, genauso wie ihre Kunden, von denen sie auch immer nur EINEN mitnehmen dürfen (ich bin in Kampala schon zu viert auf so einem Teil gefahren…). Auch die Matatu-Taxis (Kleinbusse) dürfen nur 14 Personen mitnehmen oder ihr Führerschein ist weg (eine Woche später sind wir in Uganda mit ca. 25 Leuten in einem Taxi gesessen…). Ah ja… und sie reden – neben Englisch und Kinyarwanda – FRANZÖSISCH (diese „wundervolle“ Sprache habe ich in der 10. Klasse abgewählt…)!
In Kigali selber hatten wir das große Glück eine Privatunterkunft zu haben (Verwandte von Bekannten, von Bekannten, bla bla von Johannas Mutter…) und da er bei der Deutschen Botschaft arbeitet war sein Haus auch dementsprechend luxuriös! So durften wir ein paar wundervolle Tage bei Jens, Doro und dem 4 Monate altem Lionel verbringen mit weichem Bett, deutschem Frühstück und Liegestuhl auf einer traumhaften Terrasse – wir haben uns gefühlt wie im 5-Sterne-Hotel! Und das tat uns echt gut – vor allem mir, da sich meine kleine Erkältung mittlerweile zu einer Großen inklusive Nebenhöhlenentzündung entwickelt hat.
Nach ein paar Tagen war das aber wieder besser und so konnten wir das Genocide- Museum in Kigali besichtigen (was sehr beeindruckend war und es locker mit einem europäischen Museum mithalten kann!) und auch noch ein paar Tage in den Südwesten Rwandas fahren zum Nyungwe-Forest Nationalpark, wo wir ein bisschen durch den 970km² großen Park gewandert sind.
Nach einer weiteren Nacht in unserem Kigali-Luxus-Hotel ging es nach gut einer Woche wieder zurück nach Uganda. Auch dieses Mal hat an Grenze wieder alles gut geklappt, sodass Uganda mich jetzt für weitere drei Monate wieder hat! :-)
Unser erster Stopp in Uganda war Kabale – eine Stadt in der absolut nix los ist… nachdem wir uns erst einmal verfahren haben (Bukinda und Rutinda hören sich ja so unglaublich ähnlich an…) haben wir letztendlich doch zum wunderschönen Lake Bunyonyi gefunden, wo wir ein paar absolute Traum-Chillout-Tage in einer Öko-Unterkunft auf einer kleinen Insel mitten im See hatten. Dort habe ich mir auch meinen ersten richtigen Sonnenbrand hier geholt… ist aber mittlerweile schön braun geworden ;-).
Von Kabale ging es dann weiter auf die linke – entschuldigt – WEST- Seite des Sees nach Kisoro. Obwohl Kisoro schon sehr nah an der Grenze zum Congo liegt haben wir nichts von irgendwelchen Rebellen mitbekommen und konnten in Ruhe ein paar Golden Monkeys im Mgahinga Nationalpark beobachten und eine kleine Kanufahrt auf dem nahegelegen, gut zu Fuß erreichbaren, Lake Mutanda genießen.
Die Landschaft in Westuganda ist unfassbar schön! Nicht ganz so hügelig wie in Rwanda (es wird auch das „Land der tausend Hügel“ genannt), aber es gibt doch mehr Berge und Vulkane als bei uns am Viktoriasee. Und es ist grün – da ist nichts mit „Afrika ist wüst und öde…“. Vor allem in der Vulkangegend wird natürlich viel angebaut und bebaut. Viel Tee und Kaffee, aber natürlich auch Bananen, Kochbananen, Reis, Kartoffeln,…
Und man fühlt überall wie zu Hause, dank der Kinder, die  in ganz Südafrika einem die gleichen freundlichen Worte entgegen- oder auch hinterher schreien: „Muzunguuuuu!! How are you?“ oder auch „Give me (my) money!“ Zwischendurch kommt auch mal „Give me chocolate/pencils/bread/…!“ Manchmal kommen sie auch und wollen deine (weiße) Haut berühren, weil sie sich davon irgendeinen Segen versprechen oder einfach nur um zu gucken ob man “echt” ist… Das ist schon irgendwie ziemlich grotesk.
Von Kisoro ging es dann weiter über Kabale nach Mbarara (große, unschöne Stadt) und nach einem kleinen Mittagessen weiter über Kasese nach Fort Portal.
Fort Portal ist eine der saubersten Städte in Uganda (was nicht sonderlich schwer ist, da man einfach nur den Müll von den Straßen räumen müsste…) und war auch sonst sehr schön. Dort haben wir die nahegelegen Crater Lakes inklusive kleinem Wasserfall besichtigt und auf dem „Top of the World“ gestanden und die Aussicht über einen kleinen Teil der Welt genossen ;-).
Nach ein paar Tagen in Fort Portal und einem kleinen Zwischenstopp in Kampala haben wir uns dann zu unserer letzten Station aufgemacht: Jinja. In Jinja kann man nicht nur die Quelle des Nils besichtigen sondern auch in selbigen hineinspringen. Das haben Johanna und ich dann auch gemacht: BunjeeJump aus 44m Höhe über dem Nil – ein absolut unbeschreibliches Gefühl und der perfekte Abschluss unsere zweiwöchigen Tour!

So sind wir nach einer zurückgelegten Strecke von 2200km, dem zweimaligen Überqueren des Äquators, voller Vorfreude und wohlbehalten am Samstag den 22. Dezember wieder in Entebbe im BabiesHome angekommen. Vorfreude deshalb, weil man sich nach 2 Wochen reisen doch wieder auf sein eigenes Bett und seine Dusche und seine Küche freut… ;-) Und wohlbehalten, weil uns auf der ganzen Reise NICHTS passiert ist – kein Unfall, kein Raub, nichts… (im Gegensatz zu einer Freundin von uns, die parallel gereist ist und bei der im Hotel eingebrochen wurde und die EC-Karte im Automaten eingezogen wurde etc…)!
So konnten wir uns ganz gechillt auf das nächste Ereignis vorbereiten… Weihnachten! :-)

Montag, 24. Dezember 2012

Ich wünsche euch allen
FROHE WEIHNACHTEN
und einen guten Start ins Neue Jahr!
   


Sonntag, 25. November 2012

Von Schlangen, Wasser und dem lieben Geld

Vor ein paar Wochen ist Johanna und mir auf dem Weg in die Stadt eine Schlange über selbigen geschlichen. Von links nach rechts. Einfach so. Und ich rede hier nicht von einer Blindschleiche oder einer kleinen Hausschlange, sondern einer richtigen 2m langen, schwarzen Schlange!
Gestern haben wir das „Reptile Village“ (das nur 10 Minuten Fußweg von uns entfernt ist) besucht – und siehe da, unsere kleine Freundin wiederentdeckt :-). Es ist eine Cobraart. Und natürlich giftig ;-). Davon abgesehen haben die noch ein paar andere giftige Schlangen, Schildkröten, Chamelions , Riesenechsen, ein Babykrokodil und ein paar Ratten und Hasen und Hühner (die Nahrung der lieben Tierchen ;-) ). Und wie das hier halt so ist, ist alles natürlich super sicher… Bei einem Terrarium hat gerade eine Schlange versucht durch einen kleinen Spalt zwischen (einfacher) Glasscheibe und ihrer (Holz-) Fassung rauszukommen… Natürlich eine giftige Schlange ;-). Da schläft man nachts doch gleich viel besser... ;-)

Ansonsten hat laut Google die Regenzeit begonnen. Allerdings bin ich hier nahe genug am Äquator, dass das nicht automatisch 24 Stunden am Tag Regen bedeutet. Es regnet schon mehr – vor allem nachts – aber meistens ist es so, dass es entweder vormittags regnet und dann nachmittags wieder schön ist, oder umgekehrt. Also alles halb so schlimm, solange man sich nicht gerade draußen aufhält und es anfängt zu schütten (es regnet dann nämlich wirklich als hätte man eine Dusche angemacht). Der viel größere Nachteil an dem Ganzen ist allerdings, dass wir jetzt auch häufiger Stromausfälle haben, die zwar nicht schlimm, aber nervig sind…
Apropos Wasser: Das erste Mal seit ich hier bin hatten wir einen halben Tag (und eine Nacht) kein Wasser. Glücklicherweise konnte ich mich noch mit dem letzten Ministrahl duschen – doch 5 Minuten später kam kein Tropfen mehr aus dem Hahn. Aber auch für solche Fälle wurde vorgesorgt mit einem Vorrat an 30 Litern Wasser ;-).

Im Regen habe ich mich auch am Freitag vor 3 Wochen mit ein paar Freunden zum Sean Paul (bekannter Rock/Pop/Reagge-Sänger) Konzert nach Kampala aufgemacht. (Kleiner Exkurs für alle, die sich damit nicht so auskennen: Ein Sean Paul Konzert in Deutschland würde wahrscheinlich zwischen 20-30Euro (oder mehr) kosten und wäre schon Wochen vorher ausverkauft!) Ich habe versucht durch einen Freund zwei Wochen vorher an eine Karte zu kommen, worauf er mir dann aber sagte, dass die Karten erst nächste Woche (also FÜNF Tage vor dem Konzert) verkauft werden, dass wir sie aber auch an der Abendkasse kaufen können…?! Ok. Also Freitag Abend ganz gechillt nach der Arbeit nach Kampala, noch gemütlich was Essen gegangen und dann in ein altes Stadion (also Open Air) gelaufen, an der Abendkasse meine Karte für umgerechnet 8Euro geholt und einen supertollen Abend gehabt! Ich liebe Uganda!

Bei dem Konzert waren auch ein paar deutsche Mädels dabei, die mit der Organisation „weltwärts“ hier sind. Ein Treffpunkt für Freiwillige aller Art ist das Waisenhaus „Malayaka House“ – ebenfalls in Entebbe. Als ich das erste Mal dort war, dachte ich nur „Wow! ... So kann ein Waisenhaus also auch aussehen!“ Der Unterschied zum BabiesHome ist schon enorm. Der Grund: Es wird von Amerikanern und Spaniern geführt. Das heißt: Es ist organisiert – oder zumindest organisierter!
Zum Beispiel gibt es dort zweimal die Woche die sogenannte „Pizza Night“. Die Frauen, die dort arbeiten, machen selber Pizza: Es gibt einen richtig schönen Steinofen und der Mozzarella wird dort ebenfalls selber hergestellt. Außerdem gibt es unglaublich gutes Chocolate Mousse!! Das (und die Tatsache, dass ich hier allgemein viel esse) hat mich dazu veranlasst wieder joggen zu gehen. Ich hätte es schon viel früher wieder angefangen, es gibt nur ein Problem an der ganze Sache: Das „Wann“. Es wird um 19Uhr dunkel und vorher kann man erstens aufgrund der Hitze nicht gehen zweitens lebe ich hier quasi im Dorf und wenn man da als „Mzungu“ joggen geht, kommt man sich vor wie im Zoo – nur dieses Mal auf der anderen Seite der Gitterstäbe. Also gehe ich morgens um 6Uhr joggen (zumindest wenn ich mich dazu überwinden kann aufzustehen). Der Vorteil dieser Uhrzeit ist: Keine oder nur sehr wenig Leute auf der Straße, die Temperaturen sind noch angenehm und ich kann einem wunderschönen Sonnenaufgang über dem Viktoriasee beiwohnen. Der Nachteil: Es ist seeeeeehr früh!!! Und ich bin absolut kein Frühaufsteher!

Im Malayaka House waren auch drei Frauen aus Spanien untergebracht, die das BabiesHome ebenfalls mit einem Verein finanziell unterstützen und einmal im Jahr herkommen um zu gucken wie und wo ihr Geld so ist und natürlich was die Kinder so treiben. Bei der Gelegenheit haben sie beschlossen das komplette Haus der Kinder neu zu streichen, da die Wände entsprechend aussahen (… bei täglich 20 kleinen Kindern) und sich auch sonst für die Anschaffung von neuen Moskitonetzen einsetzten sowie ein paar Materialien für unsere Schule mitgebracht haben. Dank ihnen konnten wir auch mal mit 8 Kindern zusammen an den Strand gehen. Es war ein super schöner Nachmittag! Die Kinder hatten sehr viel Spaß zusammen und für uns war es ebenfalls sehr schön, auch wenn es etwas stressig ist nach 8 Kindern gleichzeitig zu gucken ;-). 
Leider gab es aber mit genau diesen spanischen Frauen ein paar Komplikationen. Vor allem eine war regelrecht entsetzt über den Zustand des Hauses der Kinder, die Lehrerin und ein paar andere Sachen… Anscheinend gab es auch ein paar kleine Unstimmigkeiten bezüglich der Finanzen. Da Remmi, meine Chefin, auch nicht gerade eine einfache Persönlichkeit, außerdem noch schwanger ist, gab es das ein oder andere eher unschöne Gespräch… Kurz gesagt ist es so, dass Remmi einfach überarbeitet bzw. überfordert ist. Sie managet alles im BabiesHome – und das ist definitiv zuviel. Dazu kommen ständig irgendwelche Europäer, die ihr sagen, was gerade eher nicht so gut läuft, was sie verbessern soll oder muss etc. Na ja… und immer nur negative Kritik zu bekommen ist auch nicht sehr motivierend. Und natürlich das liebe Geld – man hat nur Probleme damit! Mittlerweile hat sich das aber zum Glück wieder etwas entspannt!

Wie auch immer, das ganze hat mir mal wieder gezeigt wie unterschiedlich Europa und Uganda einfach sind! Und wie viel Schaden man anrichten kann, wenn man als „Ich-weiß-und-kann-alles-viel-besser-Europäer/Weißer“, in ein schwarzes Land kommt ohne dessen Kultur und Mentalität auch nur annähernd zu kennen, geschweige denn zu verstehen, und dann mal seine Verbesserungsvorschläge auspackt… Das KANN einfach nicht gut gehen!
Das hat mir auch wieder bewusst gemacht, warum und wie schwer es ist nachhaltige Veränderungen/Verbesserungen hier zu bewirken!

Das wichtigste jedoch sind und bleiben: Die Kinder! Und denen geht’s gut. Sie haben ein (eigenes) Bett zum schlafen, bekommen genug zu essen, sind nur selten krank, haben die Möglichkeit in die Schule zu gehen und… sind glücklich! Wenn ich in den Garten gucke, sehe ich lachende Kinder – das macht jedes weitere Wort überflüssig.

Dienstag, 23. Oktober 2012

Wir gehen in den Zoo…

Wenn man im Reiseführer die Sehenswürdigkeiten in Entebbe nachschlägt, werden eigentlich zwei Sachen (besonders) erwähnt: Der Botanische Garten (in dem ich schon war… der auch ganz nett ist, aber verhältnismäßig langweilig, es sei denn man steht auf Bäume und Vögel und ein paar Affen ;-) ) und das „Wildlife Education Center“ – der Zoo. Letzteres haben Johanna und ich vor zwei Wochen besucht. Nicht nur, um mal dort gewesen zu sein, sondern auch um zu gucken, ob er sich für einen Ausflug mit den Kindern eignet. Das Resultat: es lohnt sich! Denn es ist nicht einfach nur ein Zoo mit ein paar Tierchen… sondern tatsächlich ein Bildungscenter: Wenn man beispielsweise mit Schulklassen hingeht, gibt es am Anfang in einem extra dafür vorgesehen Raum eine Art Briefing, in dem die Kinder über die Tiere und alles was mit ihnen zu tun hat aufgeklärt werden. Das hört sich jetzt vielleicht etwas unnötig an, aber Tatsache ist, dass viele Ugander (nicht nur die Kinder) keine Ahnung von den Tieren in ihrem Land haben, von Tierschutz etc. ganz zu schweigen. Ein Zoo dieser Art ist in Uganda sehr selten (wenn es nicht sogar der einzige ist), von den ganzen Nationalparks mal abgesehen. Deshalb reist der Zoo mit jeweils ein paar Tieren (sogar mit Löwin!) durch das Land und besucht Schulen (in wie weit das jedoch tierfreundlich ist…darüber lässt sich auch streiten…).
Auf jeden Fall hat man auch die Möglichkeit ohne dieses Briefing gut informiert zu werden, dank unzähliger sehr schön gestalteten Tafeln und Wänden! Auch die Tiervielfalt ist beeindruckend: Löwen, Nashörner, Zebras, Sträuße, Antilopen, Chimpanzen, Giraffen (obwohl wir die nicht gesehen haben), Schlangen, Krokodiele, Vögel, Otter,…
Da haben wir dann unseren Samstagvormittag verbracht und es war echt schön!
Der einzige Haken, es ist (für Touristen, die auf der Preisliste gerne auch als „rest of the world“ betitelt werden ;-) ) ziemlich teuer, so dass wir nicht mit jeweils ein paar Kindern einmal die Woche in den Zoo können, das ist finanziell einfach nicht tragbar. Aber wir planen einen Samstagsausflug mit den fünf älteren Kindern und vielleicht noch ein extra Betreuer in ein paar Wochen. Vielleicht bekommen wir es auch dank gewisser Connections etwas billiger… ;-) Jaja, die Vetternwirtschaft lässt grüßen…

Auf unserem Rückweg haben wir dann noch den einzigen Metzger (oder zumindest den einzig guten Metzger) in Entebbe ausfindig gemacht, der neben einer großen Auswahl an Fleisch auch Käse hat – Ich war wie im Himmel! :-) Denn Käse ist hier wirklich Rarität (zwar gibt’s den auch vereinzelt im Supermarkt, aber da ist er nicht sooo gut) und deshalb auch verhältnismäßig teuer. Aber ab und zu kann man sich das schon mal gönnen ;-) Vor allem da wir seit letzten Montag auch die Möglichkeit haben den Käse und das Fleisch sachgemäß aufzubewahren: im jetzt funktionierenden Kühlschrank! YEAH! Die Lösung dieses Problems war wie so oft nach dem Motto: wenn du willst dass es funktioniert und dass es bald funktioniert – kümmere die SELBER drum! Eigentlich haben wir nur einen neuen Stabilizer gebraucht, weil der Alte einen der letzten Stromausfälle nicht überlebt hat und EIGENTLICH ist es nicht unsere Aufgabe, einen neuen zu besorgen. Also sind wir zu unserer Chefin gegangen und haben ihr unser Problem vorgetragen. Nach zwei Wochen ohne veränderung habe ich schon vorgeschlagen den Stabilizer selber zu kaufen und dann das Geld zurückbekomme – aus irgendeinem Grund ging das aber nicht. Nach weiteren zwei Wochen war es mir dann zu blöd. Nochmal hingegangen und nachgehakt…. Und nach einigem hin und her kam der Vorschlag, dass ich den auch kaufen könnte und man mir das Geld dann dafür geben würde… ACH WIRKLICH?! Wie auch immer… In die Stadt gefahren, Stabilizer gekauft (auch relativ teuer!) und der Kühlschrank läuft wieder! Jippiyayeah! :-)

Einer weiteren Veränderung unterzogen wir unsere Terrasse, die wir bis jetzt nur zum Wäscheaufhängen genutzt hatten: Schon bei meiner Ankunft habe ich zwei ziemlich schmutzige Liegestühle entdeckt… die haben Johanna und ich auf Vordermann gebracht, uns noch einen „Tisch“ alias Stein im Garten gesucht… und fertig war die Chiller-Terrasse mit gratis Urlaubsfeeling. Die Aussicht ist zwar nicht ganz so toll (Blick auf die Schule), aber es ist eine willkommene Abwechslung zum Wohnzimmer UND – riesen Bonus: keine Kinder, die halten sich auf der anderen Seite unseres Hauses auf!
Dafür haben wir seit gut einer Woche eine neue Geräuschkulisse, denn unmittelbar neben uns sind 100 Hühner eingezogen (sie sagen zumindest es seien 100, es sieht aber nach deutlich weniger aus!). Die gackern ganz munter vor sich hin… sind aber leiser als wir zuerst befürchteten! Somit werden wir neben unserer eigenen Milch (bis jetzt noch von nur zwei Kühen, die aber noch auf 10 aufgestockt werden sollen), auch bald unsere eigenen Eier. Leider profitieren wir davon noch nicht, denn die Milch ist zuallererst für die Kinder, wenn dann aber genug da ist, werden Milch und Eier auch verkauft – und DANN komme ich auch wieder in den Genuss von frischer Milch (die ich bis jetzt nur aus Tüten trinke…)!

Eigentlich bekommt man alle notwenigen Sachen auf der Straße, weshalb wir nur selten in den Supermarkt gehen – was auch daran liegt, dass der Supermarkt in der Stadt ist… und da müsste man erst mal hinfahren etc… und ich bin nach wie vor eher faul bzw. ich vermeide es unnötig Energie zu verschwenden ;-). Bei uns gibt’s ganz in der Nähe, also so 5 Minuten laufen, eine kleine Einkaufsstraße mit vielen kleinen … „Läden“ kann man es eigentlich nicht nennen… Holzhüttchen, die dann alles Mögliche verkaufen: meistens Gemüse und Obst, aber auch „Brötchen“ (die sind vergleichbar mit den Milchbrötchen in Deutschland), Salz, Zucker, Gewürze, Milch, Kaffee, Tee, Fanta, Coke, Wasser, Eier, Butter (bzw. Margarine), Honig, Klopapier, Shampoo, Seife, Waschmittel, DVDs,… man kann auch neue Flipflops oder andere Schuhe sowie Klamotten kaufen! Also im Prinzip alles was man normal so braucht.
Im Supermarkt findet man dann eben eine größere Auswahl der genannten Sachen, außerdem noch ein Haufen anderes Zeug (auch so europäische Sachen wie Nutella ;-) ). Z.B. hat jeder Supermarkt eine kleine Haushalts- und Schreibwarenabteilung – und natürlich (gekühlten) Alkohol :-) (wobei man beispielsweise Schnaps auch an der Straße kaufen kann). Diese Woche waren wir in einem großen Supermarkt in Kitoro (einem Stadtteil von Entebbe), dieser Supermarkt unterscheidet sich zwar quadratmetermäßig nicht von den anderen, vom Inhalt her aber erheblich! Auf engstem Raum (es können keine zwei Personen nebeneinander in einem Gang stehen!) wird die Ware bis unter die Decke gestapelt! Man kann also hundert Mal einen Gang durchlaufen und findet JEDES MAL etwas Neues! Man braucht auch dementsprechend lange bis man seinen Einkaufzettel abgearbeitet hat. Aber bis auf Bücher kann man hier echt alles finden! Sogar Vollkornbrot haben wir gekauft! Jedoch ist alles europäische (Nutella, Pesto, Nivea-Produkte, etc.) sehr teuer: somit kostet ein kleines Nutella Glas über 3€! Für das Geld kann ich 2 Mal nach Kampala hin UND zurückfahren (die Strecke Entebbe – Kampala sind etwas über 30km)! Andere Welt…! Auf jeden Fall haben Johanna und ich beschlossen, dass wir uns Nutella zu Weihnachten gönnen… ha ha ha :-)!

Des Weiteren ist die Lehrerin überraschend vor 2 Wochen in der Schule aufgetaucht. Großartig geändert hat sich allerdings nichts! Den Stundenplan, den Johanna und ich ausgearbeitet haben, hat sie mit ein paar kleinen Änderungen übernommen: Sie lernt jetzt jeweils eine halbe Stunde die Zahlen und die Buchstaben mit den Kindern und beaufsichtig sie in der großen Pause – das macht insgesamt 1 ½ Stunden von 5! Den Rest der Zeit unterrichten wir. Zwar gibt es nach der großen Mittagspause noch mal eine Stunde „Unterricht“, der besteht allerdings aus Filmgucken… Das war schon erst mal eine Überraschung, denn eigentlich hatte ich erst befürchtet, dass wir gar nichts mehr machen können in der Schule… und jetzt das. Vor allem weil unsere Chefin extra betont hat, dass wir nicht professionell unterrichten müssen/können, weil das ja auch nicht unsere Aufgabe ist… Wie dem auch sei, ich bin mir noch nicht ganz sicher ob es sich die Lehrerin einfach nur unglaublich einfach macht, in dem sie den Großteil der Arbeit an uns abtritt oder ob sie einfach noch ein bisschen „Einarbeitungszeit“ braucht… wir werden es sehen. Somit kramen Johanna und ich jeden Tag aufs Neue unsere Kindergarten- und Grundschulerinnerungen aus und beschäftigen die Kinder mit malen, basteln, spielen, etc. Wie lange dieser Fundus an Ideen noch reicht, weiß ich nicht, wer also noch ein paar Ideen übrig hat, darf sie mir gerne zukommen lassen! :-)


Ah ja… noch ein kurzer Absatz zum Wetter, um gewisse Leute im Schwarzwald eifersüchtig zu machen ;-):
Ja, hier ist es schön warm! Ich hab jeden Tag so ca. 25-30°C, wobei die nachts auf angenehme 20-25°C abkühlen. Tagsüber ist die Sonne zeitweise so krass, dass man kaum raus kann bzw. will. Es regnet natürlich auch ab und zu mal (häufig auch nachts), aber wenn dann nur 1-2 Stunden und danach ist wieder gut. Und nein, es ist mir nicht zu warm – das ist genau MEIN Wetter! :-)

Freitag, 12. Oktober 2012

It’s time for what…?

… for school!
… for lunch!
… for sleeping!
… for …
… for writing my Blog ;-)

Nun bin ich schon etwas über einen Monat hier und es wird höchste Zeit mal etwas über den Hauptgrund meines Daseins hier zu schreiben: Die Kinder!

Fangen wir mal mit dem kleinsten an: Baby M.*! Er ist jetzt gut 4 Monate alt und das ruhigste Baby dass ich bis jetzt kennengelernt habe! Er ist echt sehr pflegeleicht, schreit nur sehr selten (meistens weil er seine Milch will), schläft viel (wobei ich nicht weiß ob er nachts durchschläft…) und ist immer ganz glücklich, wenn er raus aus dem Bettchen und einen kleinen Spaziergang durch den Garten machen darf! Was allerdings das erstaunlichste an ihm ist: Er kann seine Flasche beim trinken selber halten! Mit 4 Monaten!!!

Dann die anderen 6 „Babies“: Ai. (ca. 9 Monate – ich kann das Alter nur schätzen, weil ich bzw. man allgemein bei manchen nicht weiß, wie alt sie sind!). Sie ist schon eine kleine Prinzessin. Und hat während meinem ersten Monat hier angefangen an der Hand zu laufen und immer wenn sie mich sieht kommt sie angekrabbelt und zieht sich an mir hoch! : -)
Na. und Wa. sind Zwillinge. Ca 1 ½ Jahre alt. Die zwei sind echt ein süßes Paar! Sie streiten natürlich auch, nehmen sich Sachen weg und buhlen um die besten Plätze (die natürlich bei Auntie Bekka sind ;-) ), aber wenn einer heult guckt der andere erst mal, was denn jetzt genau passiert ist. Sie ist auch diejenige, die mich ein bisschen an meine Schwester erinnert: Sie zieht die Nase immer ein bisschen graus und wenn sie dazu lacht, sieht sie aus wie Thesi auf ihren Babybildern (also natürlich nur vom Gesichtsausdruck her…). Sie ist ein richtiger kleiner Sonnenschein… weiß das aber auch sehr gut auszunutzen – wie eigentlich alle Kinder!!!
Dann ist da noch B.. Er ist ungefähr 2 Jahre alt und kam unterernährt hier an (allerdings noch vor meiner Ankunft!). Er spricht noch relativ wenig Englisch und textet einen aufgrund dessen gerne auf Luganda zu – Ich versuche zwar diese Sprache zu lernen… aber soooo schnell geht es dann auch wieder nicht… Immerhin reicht sein englisch dazu aus durch den kompletten Garten „Auntie Rebeeeekkaaaaaaa“ zu schreien und in sein imaginäres Handy (wobei er manchmal auch ein stylisches rosanes zur Verfügung hat) „Hello! How are you?“ hineinfragt… Manchmal realisiert er dabei auch, dass ich (ebenfalls mit meinem imaginären Handy) versuche ihm zu antworten : -).
Und natürlich Bi. (ca. 3 Jahre alt). Bi. ist so eine Komik für sich… Zum einen kann er mich auf die Palme bringen, weil er wirklich NIE hört (die anderen tun das wenigstens ab und zu mal ;-) ) und immer den anderen Sachen wegnimmt und wegrennt… Wenn man ihn dann aber zurechtweist heult er sofort los als ob es nichts mehr zu retten gibt! Also ein echt anstrengendes Kind! Auf der anderen Seite muss ich doch auch oft über ihn lachen: Er hat diesen mega Hundeblick mit den großen, braunen Augen echt super drauf und versucht diese Fähigkeit auch so of wie nur möglich einzusetzen. Meistens läuft es dann wie folgt ab: Irgendwas ist passiert… jetzt kann man richtig beobachten wie es in ihm rattert: Finde ich das nun gut und lache? Oder setzte ich meinen Mitleidsblick auf oder soll ich gleich in Tränen ausbrechen…? Meistens kommt dann erst mal der Hundeblick… der dann doch in ein strahlendes Lächeln übergeht, wenn die Situation es erlaubt. In jedem Fall will er IMMER Aufmerksamkeit, so kommen Wortwechsel wie diese: „Auntie Beeeeettaaaaa!“ (er kann nämlich kein „k“ aussprechen) – „Yes, Biiii....?“ – „Auntie Beeeeettaaaaa!“ – „Yes…“ usw. sehr häufig vor!
Nummer 6 ist unser kleines Sorgenkind: Die A.. A. ist schon 3 Jahre alt, redet allerdings nicht und kann auch noch nicht stehen und laufen (nur mit Hilfe!)… Sie leidet an der Sichelzellenanämie, die in Afrika ca. 40% der Menschen haben (sagt zumindest meine Mini-Recherche in Google). Soweit ich das verstanden habe ist es eine Blutkrankheit bei der ein Teil der roten Blutkörperchen nicht rund sind sondern eben sichelförmig und so die Arterien verstopfen. Das hat unter anderem zur Folge, dass man zeitweise sehr große Schmerzen hat und es eben auch die Entwicklung stört (klar, wenn das Gehirn etc. nicht richtig durchblutet werden kann). In Afrika ist es deshalb so sehr verbreitet, weil man durch diese Krankheit irgendwie gegen den Malarieerreger immun ist (wie gesagt, keine Garantie, dass das alles ganz genau so stimmt…). Auf jeden Fall hat A. aufgrund dessen sowohl gute, als auch schlechte Tage. An den guten lacht sie viel und isst auch … und an den schlechten liegt sie nur rum, will nicht essen und fängt schon an zu heulen, wenn man sie nur berührt… Leider ist diese Krankheit nicht heilbar!

Wenn ich nicht in der Schule bin, bin ich bei den Babies und spiele mit ihnen, wische Pipi weg (weil die Kleinen Tagsüber keine Windel anhaben…) und achte darauf, dass sie sich nicht irgendwie gegenseitig oder selber verletzten (wir haben nämlich zum Beispiel auch einen Kaktus im Garten ;-) und auch vom Trampolin kann man ganz wunderbar herunterfallen…).
Leider kann ich zur Zeit nicht bei den Babies sein, weil ich jetzt für ein paar Wochen immer die Schule machen muss (also zusammen mit Johanna, die seit dem 30.9. auch hier ist und vor hat ein halbes Jahr zu bleiben), weil die anderen zwei Mädels, die eigentlich noch hier sein sollten, abgebrochen haben und Anfang dieser Woche wieder nach Deutschland zurück sind! Ihr Gehen zeigt auch, dass die Arbeit und das Leben hier nicht immer nur einfach sind! Die Kinder zehren an den Nerven und auch an die Kultur und manch seltsame Angewohnheiten der Menschen hier muss man sich erst mal gewöhnen.
Allerdings sind meine Kapazitäten noch nicht erschöpft (obwohl ich jeden Abend sehr, sehr müde in mein Bett falle!) – noch habe ich genug Energie und Motivation hier erst mal eine Weile zu bleiben… mal sehn wie lange noch ;-).

Das Home-Schooling läuft nunmehr seit gut einem Monat. Und nach anfänglichen Schwierigkeiten (welche zum einen daher rührten, dass ich neu war und die Kinder nicht kannte, bzw. sie mich nicht – und zum anderen dass keiner irgendwelche Erfahrungen mit Home-Schooling hat) läuft es aber inzwischen ganz gut. Im Moment „unterrichten“ Johanna und ich noch alleine, bis die Lehrerin soweit ist zu übernehmen. Von uns wird natürlich nicht erwartet professionell zu unterrichten. Wir sollen hauptsächlich die Kinder beschäftigen und ihnen grundlegende Sachen wie Stift und Schere halten/benutzen, Bilder ausmalen, Zahlen und Farben, Früchte und Gemüse sowie Tiere lernen etc. beibringen. Aber das reicht auch schon um die Zeit von 8-13Uhr seeeehr lange erscheinen zu lassen und man danach das Gefühl hat, als hätte man die letzten 24 Stunden nichts anderes gemacht… Johanna und ich haben auch so eine Art Stundenplan erstellt und ein paar Ideen gesammelt und uns und den Kinder damit den Schultag etwas erleichtert.
Es sind zwar nur 9 Kinder (zwischen 3 und 5 oder 6(?) Jahren), aber die wissen schon, wie sie uns auf Trab halten ;-). Da wir nicht das ugandische Strafmaß übernehmen wollen („I will beat you“…) haben wir es auch noch mal etwas schwere den Respekt und damit Gehorsam der Kinder zu bekommen… aber der „Extrastuhl“ vor der Tür und das ins Bett schicken bei Ungehorsam wirkt auch ganz gut ;-).

Auch machen wir ein bis zweimal die Woche nachmittags einen kleinen Ausflug an den Strand oder zur Markthalle mit einem Kind pro Person. Und das gefällt ihnen total! Nicht nur weil sie mal aus dem BabiesHome rauskommen, sondern auch diese Eins-zu-eins-Betreuung tut ihnen unglaublich gut! Und für Johanna und mich ist es ebenfalls eine willkommene Abwechslung : -). Dann wird eine Soda (also meistens Fanta) getrunken und je nachdem ein Kuchen oder Keckse oder auch Bananen gekauft und verzehrt. Und – ganz wichtig – BodaBoda gefahren (also diese Motorräder, die hier als Mini-Taxis dienen)!

Dann gibt es noch fünf große Schulkinder (zwischen 6 und 8 Jahren), die Tagsüber außerhalb zur Schule gehen und erst um 18Uhr wieder zu Hause sind. Die sehe ich also verhältnismäßig selten. Wenn ich sie aber sehe ist die Freude auf beiden Seiten groß : -)

Das ist im Grunde genommen die Arbeit die ich hier leiste. Im Prinzip würde das Ganze hier auch ohne die (praktische) Unterstützung von Freiwilligen wie mir laufen… Wenn man sich allerdings wieder bewusst wird, dass die Kinder hier (zum Großteil) Waisen sind, für die das BabiesHome – wir – einfach ALLES sind: Mutter, Vater, Geschwister, Freunde, nette Omi, strenge Tante, Lehrer,… bekommt das, was ich hier tue einen ganz anderen Wert! Es ist zum einen eine erschreckend große Verantwortung und zum anderen ein unglaublich schönes Gefühl… denn zum ersten Mal mache ich etwas wirklich Sinnvolles!!!

* Aufgrund der Privatsphäre und Schweigepflicht etc. werden nur Abkürzungen der Namen der Kinder verwendet!

Sonntag, 23. September 2012

Safari

Nach einer Woche ohne Strom, kann ich euch endlich berichten wie denn mein Safari-Wochenende so war:
 
Meine Safari startete am Donnerstag den 13.09. mit einem Besuch im Konsulat in Kampala bezüglich meines Visums. Ein vorgestellter Freund, dessen Onkel dort arbeitet begleitete mich dorthin – bzw. ich ihn! ;-) Und das war auch echt gut so, denn ohne Hilfe ist man dort schon etwas verloren oder wartet den ganzen Tag. Natürlich hab ich mein Visum noch nicht, aber ich weiß was für Unterlagen ich brauche und hoffe, dass wenn ich die Einreiche, ich das Visum bekomme.
Dieser Freund geleitete mich dann auch zum „Red Chilli Hideway“, dem Hostel über das die ganze Safari läuft und das eine kostenlose Nacht vor der Safari anbietet. Beim warten auf Siri und Anna hab ich auch gleich jemanden kennengelernt, einen Ugander, der auch soziale Projekte leitet und Samstags immer in die Dörfer und Ghettos zieht um dort den Kinder Essen, Medikamente und Freude (sprich Spiele etc.) zu bringen. Ihn bzw. sein Projekt habe ich auch vor mal zu besuchen!
Am Freitagmorgen ging’s dann früh los. Auf zur Safarie! : -) Ein Minibus gefüllt mit drei jungen Volunteer-Mädels, zwei schon etwas älteren Amerikanern und zwei Engländer (alle vier auch in Sozialprojekten in Uganda engagiert) und unserem gut gelaunten Fahrer Isaac fuhren wir ziemlich lange („How long will it take…?“ – „Can’t tell you. Some hours.“) von Kampala nach Masindi. Auf dem Weg dorthin wurde natürlich von Straßenverkäufern fleißig Ananas und Bananen gekauft… sehr lecker! Man komt sich allerdings ein bisschen vor wie im Zoo – nur dass man auf der anderen Seite des Zauns steht: Man wird seeeeeehr angegafft!
Endlich im Park angekommen ging es dann weiter auf ziemlich holpriger Straße zu den Muchison Falls. Die sind zwar schon echt schön, aber die lange und holprige Fahrt dahin war es ehrlich gesagt nicht wert. Vor allem weil es immer nach Regen aussah und wir deshalb immer in Eile waren alles zu sehn, bevor es regnet.
Dann die Nacht im Camp war trotz der Warnung vor Hippos und Wildschweinen sehr ruhig und am nächsten morgen ging es dann auf zu den wilden Tieren! Und hier hatten wir echt Glück: Wir habe ALLES gesehen! Giraffen, Löwen, Elefanten, Büffel, Hippos, Krokodile,… ALLES! Es war echt schön… und schon lang vergessen geglaubte Erinnerungen aus Kenya kamen wieder hoch! Nach einer kurzen Mittagspause ging es dann am Nachmittag weiter dieses Mal über den Fluss zu den Murchison Falls. Leider hat es auf halber Strecke angefangen zu regnen, sodass wir völlig durchnässt und durchgefroren (also was heißt frieren… es war halt kalt ;-) ) ein paar Fotos geschossen haben und froh waren, wieder zurück zu sein und unser Abendessen zu genießen!
Um die Rhinos (Nashörner) zu sehen mussten wir den Park wieder verlassen, ein Stückchen zurück fahren und dann in den einzigen Park mit „freilebenden“ Rhinos. Das war auch noch mal echt toll. Denn man ist ein Stück in den Park reingefahren und dann aber zu Fuß zu den Rhinos hin. Das war echt eindrucksvoll, den Tieren so nah zu sein! (Witzig war auch, dass sie in meiner Erinnerung viel größer waren… aber klar – das letzte Mal war ich ca. 8 (?) Jahre alt, als ich vor einem Rhino stand!)
Danach ging es wieder die lange Strecke zurück nach Kampala – zum Glück hat uns Isaac noch nach Entebbe heimgefahren, denn es war schon dunkel als wir in Kampala waren… und das kann tödlich enden für ein paar Muzugu-Girls!

Alles in allem also ein sehr schönes Wochenende! Es ist auch echt spannend was für Leute man so kennenlernt. Ich habe sehr interessante und unterschiedliche Gespräche geführt. Und natürlich, ganz nach Ugandischer Art, Handynummern ausgetauscht! ;-)

Das letzte Highlight an jenem Wochenende: Zu Hause angekommen erwartete uns schon unser neuster Zuwachs: Jana. Ebenfalls eine Freiwillige, die vor hat, ein halbes Jahr zu bleiben. Welcome!

Mittwoch, 12. September 2012

Die ersten Tage

Mittlerweile bin ich nun schon fünf Tage hier. Ein Wochenende, an dem ich viel von Entebbe gesehen habe, und drei mehr oder weniger normale Arbeitstage.

Ein „normaler“ Arbeitstag bedeutet von 8-14Uhr und von 16-18Uhr arbeiten. Das heißt, den „Aunties“ unter die Arme greifen: beim wickeln, waschen, füttern etc. zu helfen und sonst eben die 20 Kinder beschäftigen. Dass das ganz schön anstrengend ist, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen ;-). Man hat natürlich auch noch den Nachteil „neu“ zu sein – das heißt, die Kinder testen fleißig ihre Grenzen bei „Auntie Rebekka“ aus. Und man kann Sachen hundert mal sagen, sie grinsen einen nur an… Aber ich bin zuversichtlich, dass sich das mit der Zeit ändert und normalisiert ;-).

Einen eher „unnormalen“ Arbeitstag hatten wir am Dienstag. Das BabiesHome möchte demnächst auch Homeschooling anbieten. Also haben wir den dazu auserkorenen Raum/Haus gestrichen. Allerdings auf afrikanisch ;-): Keine richtige Abdeckung von Boden oder ähnlichem, kein Abkleben von Lichtschaltern oder Fenstern…, keine Richtige Wandfarbe (sondern eine Art Lack)… und die Leiter… Ha ha ha… guckt euch die Bilder an! Es war sehr abenteuerlich : -)!

Am selben Tag hat uns Auntie Furtunate noch auf einen kleinen Ausflug mitgenommen. Sie arbeitet dreimal die Woche im BabiesHome, arbeitet dann noch wo anders und trainiert die Rugby-Mädchenmannschaft von Entebbe! Und da hat sie uns mitgenommen. Es war echt witzig und hat riesigen Spaß gemacht… UND es war anstrengend! Insbesondere für mich, die vor allem in der Nach-Abi-Zeit eher wenig Sport getrieben hat… ;-). Sowieso mache ich hier echt viel Sport mit dem ständigen Fahrradfahren und Kinder durch die Gegend tragen usw. Auf jeden Fall habe ich vor da einmal in der Woche mit zu trainieren! Mal sehn, ob das klappt, weil das Training Nachmittags/Abends ist und es aber schon um 19Uhr dunkel wird und ich somit nachts draußen rumlaufen müsste bzw. Boda fahren müsste… und man das als Muzungu lieber sein lässt. Na ja, mal sehn…

Ah ja… das Wetter. Es ist grade Regenzeit. Das heißt, es regnet mindestens einmal am Tag für ein paar Stunden und nachts meistens auch. Abends fällt dann auch öfters der Strom aus, was aber nicht weiter tragisch ist, da wir mit Gas kochen… und das Wasser eh immer kalt ist (was zum duschen gaaaaaaaaaanz schrecklich für mich ist! Es wird ne ganze Weile dauern, bis ich mich daran gewöhnt habe!). So kam es auch schon vor, dass ich mit Wollsocken, langer Hose und Flies, abends/morgens im Wohnzimmer saß… Aber solang es nicht schneit, ist alles in Ordnung! ;-)
Wenn dann allerdings die Sonne rauskommt, wird es sehr schnell, sehr warm! Die Luftfeuchtigkeit lässt sich auch aushalten – ich hab sie mir schlimmer vorgestellt!

Morgen früh werde ich nach Kampala fahren und gucken, dass ich mein Visum (für ein Jahr) bekomme, dann geht’s von Kampala aus 3 Tage auf Safari! Yeah! : -) Das ich das jetzt schon mache, hat den Hintergrund, dass Anna in zwei Wochen schon wieder geht und da alleine gehen blöd ist, haben Siri und ich uns erbarmt mit zu gehn ;-).
Ich werde natürlich berichten wie’s war! : -)